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Softlaser in der Stillberatung

Autorenbild: Daniela Schramm
Daniela Schramm
1. Okt.
6 Min. Lesezeit

Sanftes Licht für wunde Brustwarzen und belastetes Gewebe


Wunde Brustwarzen gehören zu den häufigsten und zugleich belastendsten Problemen in der ersten Stillzeit. Manchmal handelt es sich nur um eine leichte Reizung – manchmal entstehen jedoch tiefe Rhagaden, offene Stellen oder ausgesprochen schmerzhafte Verletzungen, die bei jedem Anlegen erneut belastet werden.

Und genau darin liegt eine besondere Herausforderung: Die verletzte Brustwarze kann während der Heilung kaum vollständig geschont werden, denn das Baby möchte und soll weiterhin gestillt werden.

In meiner Stillberatung setze ich deshalb ergänzend einen Softlaser ein. Fachlich spricht man heute meist von Photobiomodulation (PBM) oder Low-Level-Lasertherapie. Dabei wird das Gewebe mit niedrig dosiertem Rot- beziehungsweise Infrarotlicht behandelt – ohne es zu erhitzen oder zu verletzen.

Besonders bei ausgeprägten Brustwarzenverletzungen kann diese Form der Behandlung eine wertvolle Ergänzung zur Ursachenklärung und einer guten Stillbegleitung sein.


Warum entstehen beim Stillen überhaupt Wunden?


Eine wunde Brustwarze ist nicht einfach etwas, das eine stillende Frau „aushalten“ muss.

Häufig steckt eine Ursache dahinter, zum Beispiel:

  • ein ungünstiges oder zu flaches Anlegen

  • eine nicht optimale Stillposition

  • Schwierigkeiten beim Saugen

  • ein hoher Muskeltonus oder eine ungünstige Mundmotorik des Babys

  • anatomische Besonderheiten im Mundbereich

  • sehr häufiges oder ineffektives Saugen

  • mechanische Belastungen durch Pumpen oder Stillhilfsmittel


Deshalb behandle ich nicht einfach nur die Wunde.

Entscheidend ist immer auch die Frage: Warum ist sie entstanden?

Wenn die Ursache bestehen bleibt, wird eine Brustwarze bei jedem Stillen erneut belastet – unabhängig davon, welche Creme, Salbe oder Wundauflage verwendet wird.

Softlasertherapie ersetzt daher keine gute Stillberatung. Sie kann aber die Heilung des bereits geschädigten Gewebes sinnvoll unterstützen.


Was macht ein Softlaser eigentlich?


Ein Softlaser unterscheidet sich grundlegend von chirurgischen Lasern. Er schneidet oder verödet kein Gewebe und erzeugt bei korrekter Anwendung keine relevante Wärme.

Stattdessen trifft Licht einer definierten Wellenlänge auf die Zellen.

Dieser Vorgang wird Photobiomodulation genannt.

Ein wesentlicher Angriffspunkt scheint dabei in unseren Mitochondrien zu liegen – den kleinen „Kraftwerken“ unserer Zellen. Licht kann dort unter anderem die Cytochrom-c-Oxidase und damit Prozesse der mitochondrialen Energiegewinnung beeinflussen.

Dadurch können verschiedene zelluläre Reaktionen angestoßen werden. Unter anderem werden Veränderungen beschrieben bei:

  • der Bereitstellung von Zellenergie in Form von ATP

  • der Mikrozirkulation

  • der Regulation entzündlicher Prozesse

  • der Aktivität von Fibroblasten und anderen an der Wundheilung beteiligten Zellen

  • der Kollagenbildung und Gewebeneubildung

  • der Zellmigration und Zellregeneration

Das Entscheidende ist: Der Laser „heilt“ die Wunde nicht von außen. Er soll vielmehr die körpereigenen Reparaturprozesse im Gewebe unterstützen.


Warum ist das gerade bei wunden Brustwarzen interessant?


Eine Brustwarzenverletzung beim Stillen hat ein besonderes Problem: Das Gewebe bekommt häufig kaum Ruhe.

Bei acht, zehn oder noch mehr Stillmahlzeiten innerhalb von 24 Stunden wird dieselbe verletzte Stelle immer wieder mechanisch belastet.

Salben, Wundauflagen und Schutzmaßnahmen können hilfreich sein. Sie verändern jedoch nicht immer ausreichend die Vorgänge innerhalb des verletzten Gewebes.

Hier setzt die Photobiomodulation an.

Mittlerweile gibt es auch klinische Untersuchungen speziell zu Brustwarzenschmerzen und Brustwarzentraumen während der Stillzeit.

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse randomisierter Studien beschreibt unter Photobiomodulation eine Verringerung stillbedingter Schmerzen sowie Hinweise auf eine beschleunigte Abheilung von Brustwarzenverletzungen. Gleichzeitig bewerten die Autoren die Sicherheit der Evidenz noch als niedrig und fordern größere, standardisierte Studien.

Auch eine neuere randomisierte, doppelblinde Studie mit 60 Frauen fand nach Low-Level-Lasertherapie geringere Schmerzen nach der Behandlung und im weiteren Verlauf bis Tag sieben; relevante Nebenwirkungen wurden in dieser Untersuchung nicht beobachtet.

Das macht die Lasertherapie für mich besonders als ergänzende Maßnahme innerhalb einer umfassenden Stillberatung interessant.


Wann setze ich den Softlaser in der Stillberatung ein?


Je nach Befund kann eine Behandlung beispielsweise bei folgenden Problemen infrage kommen:

Wunde und stark schmerzende Brustwarzen

Gerötete, gereizte oder oberflächlich verletzte Brustwarzen können sehr schmerzhaft sein und das Stillen erheblich beeinträchtigen.

Tiefe Rhagaden und Fissuren

Gerade tiefere Einrisse können bei jeder Stillmahlzeit erneut aufbrechen. Hier ist es besonders wichtig, gleichzeitig die Ursache der mechanischen Belastung zu verändern.

Verletzungen durch ungünstiges Saugen

Wenn das Baby die Brustwarze beim Saugen quetscht oder nicht ausreichend Brustgewebe erfasst, kann das Gewebe erheblich geschädigt werden. Neben der Laserbehandlung steht deshalb immer die Verbesserung der Anlege- und Saugsituation im Mittelpunkt.

Schmerzen und gereiztes Brustgewebe

Je nach Befund kann Photobiomodulation auch zur Unterstützung bei schmerzhaften oder entzündlich gereizten Gewebebereichen eingesetzt werden.


Und bei Milchstau oder Mastitis?


Auch bei Beschwerden tiefer im Brustgewebe wird Photobiomodulation eingesetzt. Hier ist mir allerdings eine wichtige Unterscheidung wichtig:

Die wissenschaftliche Datenlage für die Laserbehandlung von Brustwarzenverletzungen und Brustwarzenschmerzen ist derzeit deutlich besser als für Milchstau oder Mastitis.

Bei einer entzündeten Brust kann eine Laserbehandlung daher allenfalls eine ergänzende Maßnahme sein.

Eine Mastitis muss fachlich beurteilt werden. Insbesondere bei zunehmender Rötung, ausgeprägten Schmerzen, Fieber, starkem Krankheitsgefühl oder einem Verdacht auf einen Abszess gehört die Frau in ärztliche Behandlung.

Der Laser ersetzt in einer solchen Situation weder eine medizinische Diagnostik noch eine gegebenenfalls notwendige medikamentöse Therapie.


Softlaser bei Vasospasmus und brennenden Brustwarzenschmerzen


Manche Frauen erleben nach dem Stillen starke, stechende oder brennende Schmerzen. Die Brustwarze kann sich dabei weiß, anschließend bläulich oder rötlich verfärben. Ursache kann ein Vasospasmus, also eine krampfartige Verengung kleiner Blutgefäße, sein.

Auch hier kann Photobiomodulation aufgrund ihrer möglichen Effekte auf Mikrozirkulation, Schmerz und Geweberegulation als ergänzendes Verfahren eingesetzt werden.

Wichtig ist jedoch zunächst eine gute Differenzialdiagnostik: Vasospasmus, mechanische Verletzungen, entzündliche Prozesse oder andere Ursachen können sehr ähnliche Schmerzen verursachen.


Und bei Soor?


Brennende Schmerzen und Veränderungen an der Brustwarze werden häufig vorschnell als „Soor“ bezeichnet.

Auch hier sollte zunächst geklärt werden, was tatsächlich hinter den Beschwerden steckt. Bei einem gesicherten infektiösen Geschehen ersetzt der Softlaser keine notwendige gezielte Behandlung.

Photobiomodulation kann gegebenenfalls ergänzend zur Unterstützung des gereizten oder verletzten Gewebes eingesetzt werden – sie ist jedoch kein Ersatz für eine infektiologische beziehungsweise medizinische Behandlung.


Die Ursache und die Wunde gleichzeitig behandeln


Für mich liegt darin der entscheidende Vorteil einer kombinierten Stillberatung.

Wir können gleichzeitig schauen:

Warum ist die Verletzung entstanden?

Wie liegt das Baby an der Brust? Wie öffnet es den Mund? Wie bewegt sich der Kiefer? Wie sieht die Brustwarze unmittelbar nach dem Stillen aus? Gibt es Druckstellen? Wird die Brustwarze abgeknickt oder gequetscht?

Und gleichzeitig können wir uns darum kümmern:

Wie bekommt das bereits verletzte Gewebe bestmögliche Bedingungen zum Heilen?

Genau an dieser Stelle kann der Softlaser eine sehr sinnvolle Ergänzung sein.


Nicht nur die Brust: Softlaser nach der Geburt


Photobiomodulation wird nicht nur im Bereich der Stillberatung eingesetzt.

Auch nach der Geburt entstehen mitunter Wunden und erhebliche Gewebebelastungen – zum Beispiel nach:

  • Kaiserschnitt

  • Dammriss

  • Dammschnitt

  • Scheiden- oder anderen Geburtsverletzungen

Auch hier wird untersucht, ob Rot- und Infrarotlicht Schmerzen reduzieren und Heilungsprozesse unterstützen können.

Für Beschwerden nach einem Kaiserschnitt gibt es Hinweise aus klinischen Untersuchungen auf eine schmerzlindernde Wirkung.

Bei Dammverletzungen ist die Datenlage dagegen bisher widersprüchlich. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit fand gegenüber konventioneller Behandlung keinen eindeutig zusätzlichen Nutzen für Schmerz und Wundheilung.

Auch hier gilt deshalb: Lasertherapie ist eine mögliche unterstützende Maßnahme – kein Heilversprechen.


Auch bei muskulären Beschwerden rund ums Stillen


Stillen bedeutet in den ersten Wochen viele Stunden täglich in teilweise ungewohnten Körperhaltungen.

Nicht selten entstehen dadurch:

  • Schulterverspannungen

  • Nackenbeschwerden

  • Schmerzen im oberen Rücken

  • muskuläre Überlastungen

  • schmerzhafte Triggerpunkte

Photobiomodulation wird auch bei verschiedenen muskuloskelettalen Beschwerden eingesetzt. Ob und wie sie sinnvoll ist, hängt dabei immer vom individuellen Befund ab.

Und manchmal ist die wichtigste „Therapie“ tatsächlich ganz einfach eine Veränderung der Stillposition: ein besser gestützter Rücken, entspannte Schultern, ein höher liegendes Baby und weniger dauerhaftes Nach-vorn-Beugen.


Softlaser – eine Unterstützung, kein Ersatz für Ursachenklärung


So vielseitig die Photobiomodulation ist: Ich halte es für wichtig, sie nicht isoliert zu betrachten.

Bei einer wunden Brustwarze muss geklärt werden, warum sie wund geworden ist.

Bei einem Milchstau muss geschaut werden, was den Milchfluss beeinträchtigt.

Bei starken Brustschmerzen braucht es eine Differenzialdiagnostik.

Und bei einer auffälligen Geburtsverletzung gehört eine Hebamme oder Ärztin beziehungsweise ein Arzt mit ins Boot.

Der Softlaser kann diese Arbeit ergänzen und die körpereigenen Regenerationsprozesse unterstützen.

Gerade bei schmerzhaften Brustwarzenverletzungen kann das für Frauen einen großen Unterschied machen – denn weniger Schmerzen und besser heilendes Gewebe können entscheidend dazu beitragen, dass Stillen wieder möglich und erträglich wird.


Softlaser ausleihen und zu Hause weiterbehandeln


Je nach Befund reicht eine einzelne Anwendung nicht aus. Deshalb besteht bei mir auch die Möglichkeit, einen Softlaser für die Anwendung zu Hause auszuleihen.

So kann die Behandlung nach entsprechender Einweisung über mehrere Tage fortgesetzt werden, ohne dass dafür jedes Mal ein neuer Termin notwendig ist.

Die aktuellen Konditionen für den Laserverleih findet ihr hier auf meiner Website.

Wenn ihr unsicher seid, ob eine Softlaserbehandlung bei euren Beschwerden sinnvoll ist, können wir das im Rahmen einer Stillberatung gemeinsam einschätzen.

Denn gerade bei Schmerzen und Verletzungen beim Stillen gilt:

Man muss nicht warten, bis es irgendwann von allein besser wird. Je früher wir die Ursache erkennen und gleichzeitig das verletzte Gewebe unterstützen, desto besser sind die Voraussetzungen dafür, dass Stillen wieder schmerzfrei werden kann.



 
 
 

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