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Sanfte Begleiter durch die Erkältungszeit

Autorenbild: Daniela Schramm
Daniela Schramm
7. Sept.
6 Min. Lesezeit

Ätherische Öle für Babys und Kleinkinder


Wenn im Herbst die Tage kühler werden, beginnt in vielen Familien auch die Zeit der laufenden Nasen, unruhigen Nächte und ersten Erkältungsinfekte. Ätherische Öle können Babys und Kleinkinder in dieser Zeit sanft begleiten – vorausgesetzt, sie werden sorgfältig ausgewählt, sehr sparsam dosiert und dem Alter des Kindes angepasst.

Denn Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Haut ist dünner und aufnahmefähiger, ihr Stoffwechsel arbeitet anders und ihre Atemwege reagieren empfindlicher. Deshalb brauchen sie deutlich niedrigere Dosierungen und eine wesentlich kleinere Auswahl an Ölen.


Was sind ätherische Öle?


Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenessenzen, die beispielsweise aus Blüten, Blättern, Schalen, Hölzern oder Harzen gewonnen werden. Über den Geruchssinn können ihre Duftinformationen unmittelbar das limbische System erreichen – jenen Teil unseres Gehirns, der eng mit Gefühlen, Erinnerungen und dem vegetativen Nervensystem verbunden ist.

Eine sanfte Beduftung kann deshalb eine beruhigende Atmosphäre schaffen, das Einschlafen begleiten und in einer angespannten Erkältungszeit zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen.

Ätherische Öle sind jedoch keine harmlosen „Duftwässer“. Bereits ein einzelner Tropfen enthält eine große Menge pflanzlicher Inhaltsstoffe. Gerade bei Babys gilt daher: Weniger ist mehr.


Die wichtigsten Sicherheitsregeln


Bei Babys und Kleinkindern sollten ätherische Öle niemals unverdünnt auf die Haut gegeben werden. Auch von einer innerlichen Einnahme ist bei Kindern unbedingt abzuraten. Sabrina Herber weist ausdrücklich darauf hin, dass Kinderkörper anders reagieren und Dosierungen für Erwachsene nicht einfach halbiert werden dürfen. Mehr dazu findet sich in ihrem Beitrag „Ätherische Öle für Kinder – sanfte Helfer oder überdosierte Gefahr?“.

Besonders wichtig:

  • Ätherische Öle niemals in Augen, Nase, Mund oder Ohren geben.

  • Nicht unverdünnt im Gesicht oder direkt unter der Nase anwenden.

  • Hände des Kindes aussparen, da Babys und Kleinkinder sie häufig in den Mund oder an die Augen führen.

  • Keine großflächige Anwendung.

  • Nicht dauerhaft und nicht vorbeugend über Wochen beduften.

  • Diffuser nur kurzzeitig und niemals die ganze Nacht laufen lassen.

  • Ätherische Öle kindersicher und außerhalb der Reichweite aufbewahren.

  • Bei Asthma, Epilepsie, Allergien, chronischen Erkrankungen oder sehr empfindlicher Haut vorher fachlichen Rat einholen.

  • Bei Atemnot, hohem oder anhaltendem Fieber, Trinkverweigerung, ungewöhnlicher Teilnahmslosigkeit oder einer deutlichen Verschlechterung gehört ein Kind immer in ärztliche Hände.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt bei Kindern unter drei Jahren besondere Vorsicht mit Kampfer sowie Eukalyptus-, Thymian- und Pfefferminzöl beziehungsweise Menthol. Diese Stoffe können bei kleinen Kindern schwere Reaktionen der Atemwege hervorrufen. Die Hinweise finden sich in den Fragen und Antworten des BfR zur Anwendung ätherischer Öle.

Auch Erkältungsbalsame aus Apotheke oder Drogerie sollten deshalb nicht allein nach ihrem vertrauten Produktnamen ausgewählt werden. Entscheidend sind die Inhaltsstoffe und die konkrete Altersfreigabe.


Welche Öle kommen grundsätzlich infrage?


Für eine sehr sanfte Begleitung werden in der Aromapflege unter anderem folgende Öle verwendet:

  • Lavendel fein – beruhigend, ausgleichend und hautfreundlich

  • Mandarine rot – warm, tröstend und entspannend

  • Benzoe Siam – weich, einhüllend und wohltuend

  • Vanilleextrakt – vermittelt Geborgenheit und Wärme

  • Römische Kamille – beruhigend und entspannend

  • Atlaszeder – erdend und stabilisierend

Doch auch ein grundsätzlich mildes Öl ist nicht automatisch für jedes Kind und jedes Alter geeignet. Entscheidend sind immer die individuelle Situation, die genaue botanische Bezeichnung, die Qualität, die Dosierung und die Art der Anwendung.

Für die ersten Lebensmonate ist häufig gar kein ätherisches Öl notwendig. Ein mildes Pflanzenöl, ein Hydrolat oder ein sehr dezenter Duft in der Umgebung der Bezugsperson kann bereits ausreichen. Neugeborene orientieren sich stark am Eigengeruch ihrer Eltern. Dieser vertraute Duft sollte nicht durch eine intensive Raumbeduftung überlagert werden.


Drei sanfte Anwendungsbeispiele


1. Das Dufttuch für unruhige Erkältungstage

Für ein Kleinkind kann ein Tropfen Lavendel fein oder Mandarine rot auf ein Dufttuch beziehungsweise einen Duftstein gegeben werden. Das Tuch wird nicht in das Bett gelegt, sondern mit deutlichem Abstand aufgestellt oder aufgehängt.

Zunächst sollte nur für etwa zehn Minuten beduftet und danach gelüftet werden. Beobachtet dabei immer das Kind: Dreht es den Kopf weg, wird unruhig, hustet stärker oder scheint ihm der Duft unangenehm zu sein, wird die Anwendung beendet.

Bei Babys sollte eine solche Beduftung nur nach individueller fachlicher Beratung erfolgen. Oft reicht es, wenn die Bezugsperson selbst eine sehr schwach dosierte Mischung verwendet und das Baby den Duft lediglich indirekt wahrnimmt.


2. Beruhigendes Körperöl für Kleinkinder

Für Kinder ab etwa einem Jahr kann eine sehr niedrig dosierte Mischung hergestellt werden:

Zutaten:

  • 20 ml Bio-Mandelöl oder Jojobaöl

  • 1 Tropfen Lavendel fein

Das entspricht ungefähr einer 0,25-prozentigen Verdünnung. Eine kleine Menge kann zunächst in der Armbeuge getestet werden. Wird die Mischung gut vertragen, können damit am Abend Rücken oder Füße sanft eingerieben werden.

Die Berührung und die ruhige Zuwendung sind dabei mindestens ebenso wichtig wie das ätherische Öl. Langsame Hände, eine leise Stimme und ein wiederkehrendes Ritual helfen dem kindlichen Nervensystem, aus der Anspannung in die Entspannung zu finden.

Bei Kindern unter einem Jahr würde ich selbst hergestellte Hautmischungen nur nach einer persönlichen Beratung einsetzen. Eine gute Alternative ist eine sanfte Massage ausschließlich mit einem hochwertigen Pflanzenöl.


3. Der „Duftanker“ für größere Kleinkinder

Ab etwa zwei bis drei Jahren kann ein vertrauter Duft als kleines Abendritual genutzt werden. Ein Tropfen Mandarine rot oder Lavendel fein wird auf einen Duftstein gegeben, der zunächst für wenige Minuten im Raum steht.

Dazu kann ein immer gleicher Satz gesprochen werden:

„Jetzt wird es ruhig. Du bist sicher und darfst dich ausruhen.“

So verbindet das Kind den Duft nach und nach mit Ruhe, Nähe und Geborgenheit. Der Duft soll dabei keine Dauerbeschallung sein. Nach zehn bis fünfzehn Minuten wird der Duftstein wieder entfernt oder abgedeckt.


Was ist bei Schnupfen und Husten zu beachten?


Babys sind Nasenatmer und können unter einer verstopften Nase besonders leiden. Dennoch gehören ätherische Öle nicht in die Nase und auch nicht direkt unter die Nasenlöcher.

Hilfreicher können je nach Alter und Situation sein:

  • regelmäßiges Lüften,

  • eine angenehme, nicht überheizte Raumtemperatur,

  • Kochsalzlösung entsprechend der kinderärztlichen Empfehlung,

  • häufiges Stillen beziehungsweise ausreichendes Trinken,

  • eine etwas aufrechtere Haltung während des Wachseins,

  • Ruhe, Körperkontakt und ausreichend Schlaf.

Bei älteren Kleinkindern können fachgerecht hergestellte, ausdrücklich für das jeweilige Alter ausgewiesene Aromapflegeprodukte ergänzend verwendet werden. Selbst zusammengestellte Mischungen mit Pfefferminze, Kampfer, Eukalyptus globulus oder unbekannten „Erkältungsöl“-Kompositionen gehören nicht in die Hände von Eltern kleiner Kinder.


Hydrolate – eine besonders sanfte Möglichkeit


Hydrolate entstehen bei der Wasserdampfdestillation von Pflanzen. Sie enthalten wasserlösliche Pflanzenbestandteile und nur sehr geringe Mengen ätherischer Öle. Deshalb sind sie wesentlich milder als die konzentrierten Essenzen.

Lavendel- oder Rosenhydrolat kann beispielsweise zur sanften Raumpflege oder – nach Prüfung der Qualität und Verträglichkeit – zur Hautpflege eingesetzt werden. Wichtig sind eine einwandfreie mikrobiologische Qualität, eine kühle Lagerung und die Beachtung der Haltbarkeit. Auch Hydrolate sollten bei Babys nicht unkritisch ins Gesicht gesprüht werden.


Qualität erkennen


Ein hochwertiges ätherisches Öl sollte vollständig deklariert sein. Auf dem Etikett beziehungsweise in der Produktbeschreibung sollten möglichst folgende Angaben zu finden sein:

  • deutscher und botanischer Pflanzenname,

  • verwendeter Pflanzenteil,

  • Gewinnungsverfahren,

  • Herkunftsland,

  • gegebenenfalls Chemotyp,

  • Anbauqualität,

  • Chargen- oder Kontrollnummer.

Bezeichnungen wie „Duftöl“, „Parfümöl“ oder „naturidentisch“ stehen nicht für ein naturreines ätherisches Öl.

Wer kleinere beziehungsweise inhabergeführte Unternehmen in Deutschland unterstützen möchte, kann sich unter anderem bei folgenden Herstellern umsehen:

  • Maienfelser Naturkosmetik Manufaktur – ein kleiner Familienbetrieb in Baden-Württemberg, der Naturkosmetik, Pflanzenöle, Hydrolate und einige ätherische Öle in Handarbeit herstellt.

  • Neumond – Düfte der Natur – ein deutsches Unternehmen aus Bayern mit langjährigem Schwerpunkt auf naturreinen ätherischen Ölen und Naturdüften.

  • TAOASIS Natur Duft Manufaktur – ein deutsches Familienunternehmen mit ätherischen Ölen aus Bio- und teilweise Demeter-Anbau.

Nicht jeder Hersteller produziert alle angebotenen Öle selbst in Deutschland – viele Pflanzen wachsen nur in bestimmten Klimazonen. Wichtig sind daher transparente Herkunftsangaben, nachvollziehbare Qualitätskontrollen und eine vollständige Deklaration.


Weiterführendes Wissen von Sabrina Herber


Wer tiefer in die Aromapflege für Familien einsteigen möchte, findet bei der Aromatherapeutin und Fachbuchautorin Sabrina Herber fundierte Informationen:

Mein Fazit


Ätherische Öle können in der Herbst- und Erkältungszeit kleine, wohltuende Begleiter sein. Bei Babys und Kleinkindern liegt die Kunst jedoch nicht darin, möglichst viele Öle einzusetzen, sondern sehr bewusst auszuwählen.

Manchmal genügt ein Hauch Lavendel im Raum. Manchmal ist eine Massage mit reinem Mandelöl die bessere Wahl. Und manchmal braucht ein Kind gar keinen zusätzlichen Duft, sondern vor allem Wärme, Ruhe, Flüssigkeit, Schlaf und die vertraute Nähe seiner Eltern.

Aromapflege darf unterstützen – sie soll den kindlichen Organismus aber nicht mit Reizen überfordern. Je jünger das Kind ist, desto zurückhaltender sollte die Anwendung sein. Im Zweifel ist eine individuelle Beratung immer besser als ein allgemeines Rezept aus dem Internet.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine kinderärztliche Untersuchung oder individuelle aromatherapeutische Beratung.



 
 
 

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