Stillen macht den Unterschied
- Daniela Schramm

- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Warum ein guter Stillstart so wichtig ist
Wenn wir über die Gesundheit von Babys sprechen, denken viele Eltern zunächst an eine sichere Geburt, an Vorsorgeuntersuchungen oder an die richtige Ernährung. Dabei wird oft übersehen, dass die ersten Stunden und Tage nach der Geburt einen enormen Einfluss auf die weitere Entwicklung eines Kindes haben können.
Stillen ist weit mehr als Ernährung. Muttermilch ist ein lebendiges biologisches System, das sich den Bedürfnissen des Kindes anpasst und sowohl kurzfristig als auch langfristig nachweisbare gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind mit sich bringt.
Gleichzeitig erleben viele Familien nach der Geburt etwas, das sie nicht erwartet haben: Obwohl Stillen als natürlich gilt, klappt es nicht immer von allein. Die Unterstützung in Kliniken und im Wochenbett ist vielerorts knapp geworden oder gar nicht vorhanden. Hebammen betreuen immer mehr Familien gleichzeitig bei wenig Wertschätzung der Arbeit durch die Krankenkassen. Personal fehlt, und Eltern werden häufig schon wenige Stunden nach der Geburt mit vielen offenen Fragen nach Hause entlassen.
Gerade deshalb lohnt es sich, nicht nur die Geburt vorzubereiten, sondern auch den Stillstart.
Was Muttermilch so besonders macht
Muttermilch ist weit mehr als Nahrung. Sie enthält lebende Immunzellen, Enzyme, Hormone, Wachstumsfaktoren, Antikörper und eine Vielzahl bioaktiver Substanzen, die bis heute nicht vollständig verstanden sind.
Große wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen, dass gestillte Kinder im Durchschnitt seltener an Magen-Darm-Infekten, Atemwegsinfektionen und Mittelohrentzündungen erkranken. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf ein geringeres Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und bestimmte allergische Erkrankungen im späteren Leben.
Besonders beeindruckend ist die Wirkung auf das Immunsystem. Muttermilch unterstützt die Besiedlung des kindlichen Darms mit gesundheitsfördernden Bakterien und hilft dem noch unreifen Immunsystem dabei, Krankheitserreger zu erkennen und angemessen auf sie zu reagieren.
Die renommierte Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte bereits 2016 eine umfangreiche Analyse internationaler Daten, die zu dem Schluss kam, dass Stillen jedes Jahr Hunderttausende Todesfälle von Kindern weltweit verhindern könnte und zugleich erhebliche gesundheitliche Vorteile bis ins Erwachsenenalter bietet.
Auch Mütter profitieren vom Stillen
Die gesundheitlichen Vorteile beschränken sich nicht auf das Kind.
Stillende Mütter haben langfristig ein geringeres Risiko für Brustkrebs und Eierstockkrebs. Darüber hinaus zeigen Studien Zusammenhänge mit einem niedrigeren Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Unmittelbar nach der Geburt unterstützt das Stillen zudem die Rückbildung der Gebärmutter und kann helfen, Blutungen zu reduzieren.
Viele Mütter berichten außerdem von einem intensiven Bindungserleben. Dabei spielt das Hormon Oxytocin eine wichtige Rolle, das beim Stillen ausgeschüttet wird und sowohl Entspannung als auch Bindung fördert.
Die ersten zwei Stunden nach der Geburt sind entscheidend
Ob eine Stillbeziehung langfristig gelingt, entscheidet sich häufig nicht erst Wochen oder Monate später.
Die ersten zwei Stunden nach der Geburt gelten als besonders sensible Phase. Viele Neugeborene zeigen in diesem Zeitraum einen angeborenen Such- und Krabbelreflex. Werden Mutter und Kind nicht getrennt und erhalten ausreichend Zeit für Hautkontakt, finden viele Babys selbstständig zur Brust.
Dieser frühe Hautkontakt unterstützt die Anpassung des Kindes an das Leben außerhalb des Mutterleibs, stabilisiert Atmung, Herzschlag und Körpertemperatur und fördert gleichzeitig die Ausschüttung von Hormonen, die für die Milchbildung wichtig sind.
Studien zeigen, dass ein früher Stillbeginn mit höheren Stillraten und einer längeren Stilldauer verbunden ist.
Warum die ersten 14 Tage oft über den weiteren Stillverlauf entscheiden
Mindestens genauso bedeutsam wie die ersten Stunden sind die ersten zwei Wochen nach der Geburt.
In dieser Zeit stellt der Körper die Milchbildung auf die Bedürfnisse des Kindes ein. Die Brust lernt gewissermaßen, wie viel Milch künftig benötigt wird. Dieses empfindliche Zusammenspiel zwischen Nachfrage und Angebot bildet die Grundlage für die weitere Stillzeit.
Werden Babys in dieser Phase nicht häufig genug angelegt, trinken sie ineffektiv oder bestehen Probleme beim Saugen, kann dies die Milchbildung nachhaltig beeinflussen.
Viele Schwierigkeiten beginnen genau hier:
schmerzende Brustwarzen
wunde Mamillen
zu seltenes Stillen
schläfrige Babys
ungünstige Anlegetechniken
Zufütterungen ohne klare Indikation
unerkannte Zungenbandproblematiken
unzureichende Brustentleerung
Oft wirken diese Probleme zunächst harmlos. Einige Tage später zeigen sich dann jedoch die Folgen: zu geringe Gewichtszunahme, unruhige Babys, Milchstau, Brustentzündungen oder Sorgen über eine vermeintlich zu geringe Milchmenge.
Je früher Schwierigkeiten erkannt und begleitet werden, desto einfacher lassen sie sich in der Regel lösen.
Natürlich bedeutet nicht automatisch einfach
Viele Eltern sind überrascht, wenn Stillen nicht sofort problemlos funktioniert.
Wir bereiten uns auf die Geburt vor, besuchen Geburtsvorbereitungskurse, richten das Kinderzimmer ein und kaufen die Erstausstattung. Für das Stillen selbst bleibt dagegen oft wenig Raum.
Dabei ist Stillen eine Fähigkeit, die Mutter und Kind gemeinsam erlernen dürfen.
Vorbereitung bedeutet nicht, Probleme herbeizudenken. Vorbereitung bedeutet, zu wissen:
Wie erkenne ich, ob mein Baby ausreichend trinkt?
Was ist in den ersten Tagen normal?
Wann sollte ich Unterstützung suchen?
Welche Signale weisen auf Schwierigkeiten hin?
Wie kann ich meine Milchbildung fördern?
Was kann ich tun, wenn mein Baby nicht effektiv trinkt?
Dieses Wissen schenkt Sicherheit und kann verhindern, dass aus kleinen Herausforderungen große Probleme werden.
Unterstützung frühzeitig annehmen
Eine der wichtigsten Erfahrungen aus meiner täglichen Arbeit ist diese:
Viele Stillprobleme lassen sich gut lösen – wenn Familien rechtzeitig Unterstützung erhalten.
Leider warten Eltern oft zu lange. Sie hoffen, dass es sich von allein einspielt, probieren unterschiedliche Tipps aus dem Internet aus oder halten Beschwerden für normal.
Nicht selten vergeht dadurch wertvolle Zeit, insbesondere in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt.
Wenn Stillen schmerzhaft ist, das Baby nicht ausreichend zunimmt, die Milchbildung Sorgen bereitet oder einfach Unsicherheit besteht, lohnt es sich, frühzeitig professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Denn je früher wir hinschauen, desto größer sind meist die Möglichkeiten, die Stillbeziehung zu stabilisieren und langfristig erfolgreich zu gestalten.
Mein Angebot für werdende und frischgebackene Eltern
Stillen beginnt nicht erst mit der Geburt.
In meiner Stillvorbereitung vermittle ich werdenden Eltern das Wissen, das sie für einen guten Start benötigen. Wir sprechen über die ersten Stunden nach der Geburt, die Milchbildung, häufige Herausforderungen und darüber, wie Eltern früh erkennen können, ob alles gut läuft.
Nach der Geburt begleite ich Familien im Rahmen meiner Stillberatung bei allen Fragen rund um das Stillen, die Milchbildung, das Anlegen, Gewichtsentwicklung, Schmerzen beim Stillen oder andere Schwierigkeiten im Wochenbett.
Und bitte wartet nicht zu lange, wenn ihr das Gefühl habt, dass etwas nicht stimmt. Gerade die ersten Tage und Wochen sind entscheidend. Oft reichen schon kleine Veränderungen und gezielte Unterstützung aus, um den Stillverlauf nachhaltig positiv zu beeinflussen.
Denn Stillen macht einen Unterschied – und jede Familie verdient die Chance auf einen guten Start.





Kommentare